2025: „Fünf Freunde: John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“, Museum Ludwig, Köln, und Museum Brandhorst, München
Kuratiert von: Yilmaz Dziewior und Achim Hochdörfer mit Arthur Fink, Kerstin Renerig und Leonore Spemann
Ausstellungsarchitektur: ARCH+, Zita Leutgeb, Arno Löbbecke, Anh-Linh Ngo
Ausstellung nominiert von: Ulrike Lehmann
Jury der Shortlist: Elke Buhr, Oliver Hardt, Ulrike Lehmann, Catrin Lorch, Ellen Wagner
Die Ausstellung „Fünf Freunde: John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“ erzählt die Geschichte eines einflussreichen Netzwerks von fünf erfolgreichen und bekannten amerikanischen Künstlern der Nachkriegszeit. Während die Künstler einzeln große Anerkennung erfahren haben, sind ihre gegenseitigen Einflüsse, ihre freundschaftlichen, künstlerischen und romantischen Beziehungen bisher weitgehend übersehen und unerforscht geblieben.
Die Ausstellung ist chronologisch gehängt und umfasst den Zeitraum von 1938 bis Mitte der 1970er Jahre. Die fünf Künstler lernten sich in New York, aber auch über das interdisziplinär und am Vorbild des Bauhauses orientierte Black Mountain College (BMC) in North Carolina kennen. Cage, der Musiker und Cunningham, der Tänzer, lehrten ab 1948 dort. Sie begannen schon 1942 ihre gemeinsame Zusammenarbeit und wurden später ein Paar, das über 50 Jahre bis zum Tod von Cage (1992) zusammenblieb. Cage wurde der Musikdirektor der 1953 gegründeten Merce Cunningham Dance Company (MCDC). Mit Rauschenberg, der am BMC studierte, arbeiteten sie zu dritt 1952 für das Stück Theater Piece No 1 zusammen. Ab 1954 wurde Rauschenberg der künstlerische Direktor für die MCDC. Er entwickelte die Kostüme und das Bühnenbild. Jasper Johns stieß 1954 am BMC zu den anderen. Johns und Rauschenberg waren von 1954 bis 1961 ein Paar. Twombly fühlte sich durch diese Konstellationen offenbar an den Rand gedrängt, beendete seine Studienzeit im BMC und zog 1957 nach Italien, wo er Tatiana Franchetti heiratete. Während der Welttournee der MCDC 1964 übernahm Jasper Johns 1967 deren Leitung, nachdem es zwischen der Company und Rauschenberg zum Zerwürfnis gekommen war. Allen Trennungen und Widrigkeiten zum Trotz blieben die fünf einander bis ins hohe Alter verbunden. In den 1970ern kam es noch einmal zu einer erneuten Zusammenarbeit zwischen Rauschenberg und Twombly sowie mit der MCDC.
Den Auftakt zur Ausstellung macht ein großes Bühnenbild von Jasper Johns, das dem Grand Verre von Marcel Duchamp nachempfunden, der für Johns wie für Rauschenberg einer der zentralen Referenzkünstler aus Europa war. 1968 arbeiteten Johns und Duchamp für die Choreografie von Walkaround Time zusammen.
Ein abgeschiedener, subtil arrangierter Raum mit rosa getönten Wänden widmet sich im ersten Teil der frühen Beziehung von Robert Rauschenberg und Cy Twombly. Kleine, zarte Skulpturen, Rauschenbergs Feticci Personali (Persönliche Fetische), und die Fotografien, die während und nach ihrer gemeinsamen Italienreise 1952 bis 1953 entstanden, zeigen, wie die beiden künstlerisch aufeinander reagierten, und dokumentiert die Enge der Beziehung. Nach einer gemeinsamen Reise durch Europa und Nordafrika 1952/53 teilten sie sich ein Atelier in der New Yorker Fulton Street.
Als Robert Rauschenberg 1951 das erste White Painting malte, war wiederum John Cage von dessen Radikalität so eingenommen, dass er als Reaktion die Komposition 4:33 (1952) entwickelte, bei der keine Musik zu hören war, sondern nur die Geräusche des Publikums.
Auch Jasper Johns und Cy Twombly malten ihrerseits weiße Bilder, die hier nebeneinander gezeigt werden, so dass der Eindruck einer je eigenen Annäherung an das Thema der Leere und der weißen Fläche entsteht.
In einem anderen Raum werden Rauschenbergs Combine Paintings, etwa Bed (Bett) oder Odalisk (Odaliske) in ihren Anspielungen auf intime, auch homosexuelle Beziehungen lesbar. Dort sind auch drei graue Arbeiten Jasper Johns zu sehen, die auf die schmerzhafte Trennung von Rauschenberg bezogen werden. Das Bild Rom und manch andere Bilder von Cy Twombly zeigen versteckt und klein gezeichnete sexuelle Anspielungen, die beim New Yorker Publikum noch als geflügelte Zigarren, Karotten und Raketen gedeutet wurden.
Es ist das große Verdienst der Ausstellung, die enge Verbindung der fünf Künstler und ihre Entwicklung nachzuzeichnen und dabei anhand deren Werke auch die gesellschaftliche und politische Lage in der Zeit zu reflektieren. Sie legt in den Arbeiten die versteckten Hinweise auf ihre Homosexualität offen, in sich der McCarthy-Ära massiver gesellschaftlicher Repression ausgesetzt sah. So werden Stühle, Schleier und monochrome Flächen zu wiederkehrenden (Leit-)Motiven, die hier gezielt von den Künstlern so eingesetzt werden, dass sie gegen ihre kanonische Einordnung lesbar werden.
Mit über 180 Kunstwerken, Partituren, Bühnenrequisiten, Kostümen, dokumentarischen Videos und Archivalien ist die Schau darüber hinaus sehr umfangreich und mit ihrem Katalog für den deutschen Sprachraum ein Stück kunsthistorischer Grundlagenforschung.