Die AICA Deutschland trauert um Henrike Naumann
Wir sind erschüttert vom unerwarteten Tod Henrike Naumanns.
Wie zahlreiche AICA-Mitglieder auch, so haben wir Henrike Naumanns künstlerischen Werdegang jahrelang in teils engem Kontakt mit ihr verfolgt.
Wie kein zweites künstlerisches Werk der Gegenwart in Deutschland hat sie die Ideologie von Kulturkämpfen in der scheinbar unpolitischen Ästhetik alltäglicher Lebenswelten sicht- und erfahrbar gemacht.
Zugleich stellt sie diese in einen historischen Kontext, in dem strukturelle Gewalt, Massenkultur und die gezielte Aussonderung alles Anderen ihre totalitären Allianzen bilden, Gesellschaften von innen aushöhlen und zerstören.
Henrike Naumann hat sich niemals vereinnahmen lassen für kurzsichtige Deutungen ihrer Arbeit in Ost-West-Schemata. Mit ihrer lebendigen, offen fragenden und außergewöhnlich sensiblen Haltung stand sie weit aus den deutsch-deutschen Diskursen der Gegenwart heraus.
Die Einladung, den Deutschen Pavillon auf der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig gemeinsam mit Sung Tieu zu bespielen, gilt als der bisherige Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere.
Entscheidender aber ist, dass Henrike Naumann den Deutschen Pavillon in seiner von eben jenen totalitären Allianzen geprägten heutigen Gestalt erkennbar machen wird, denen sie ihre ganze Arbeit gewidmet hat.
Ihre Ausstellung an diesem Ort wird ein Vermächtnis bleiben, das weit über ihr Werk hinausweist.
Wir erinnern uns an ihre entschiedene und intensiv-konzentrierte, unbefangene und zugleich zurückhaltende Aufmerksamkeit in Begegnungen und Gesprächen, in denen sie uns an ihrem Fragen und Denken teilhaben ließ, und sind fassungslos, dass es diese Begegnungen künftig nicht mehr geben wird.
Wir trauern mit ihrer Familie und dem großen Kreis derer, die die bewunderten und förderten, ihren Freundinnen und Freunden in aller Welt.
Carsten Probst
Präsident
Sabine Maria Schmidt, Ellen Wagner und Jeannette Brabenetz
für den Vorstand der AICA Deutschland