AICA-Auszeichnungen 2025: „Museum des Jahres“, „Ausstellung des Jahres”, „Besondere Ausstellung“
Am Samstag, 1. Februar 2026 vergab die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikverbands AICA auf ihrer Jahresversammlung in der Hamburger Kunsthalle die Auszeichnungen „Besondere Ausstellung des Jahres“, „Ausstellung des Jahres“ und „Museum des Jahres“.
Museum des Jahres 2025: Das Georg Kolbe Museum in Berlin
Die diesjährige Wahl für das Museum des Jahres fiel auf das Georg Kolbe Museum in Berlin. Nominator Jan Verwoert lobte „hinsichtlich zahlreicher, für Aufgaben und Möglichkeiten von Museen heute entscheidender Gesichtspunkte das hervorragende Programm des Hauses“, das seit 2022 von Dr. Kathleen Reinhardt geführt wird und im letzten Jahr sein 75-jähriges Bestehen feierte. „Der Leitung gelingt es, unter budgetär höchst prekären Bedingungen einen Ort zu schaffen, der auf kleinstem Raum und beispielhafte Weise Konzentration, Selbstreflektion und kritisches Engagement in der Beschäftigung mit der eigenen Sammlung und aktuellen Kunst möglich macht“, so Verwoert.
Das Museum des Jahres wird alljährlich in einem zweistufigen Auswahlverfahren durch die AICA Deutschland bestimmt. Eine dreiköpfige Jury unterbreitet der Jahresversammlung dabei drei Vorschläge, über die nach einer ausführlichen Fachdiskussion abgestimmt wird. Maßgeblich für die Auswahl sind zukunftsweisende Konzepte der Museumsarbeit, nachhaltige Forschungsarbeit mit der eigenen Sammlung, kuratorische Sorgfalt, vorbildliche Vermittlungsarbeit und hohe Standards bei Klimagerechtigkeit und Mitarbeiter:innenführung.
Der Jury für die Auszeichnung zum Museum des Jahres 2025 gehörten an: Jan Verwoert, Annelie Pohlen und Sabeth Buchmann. Die Auszeichnungen der vergangenen Jahre gingen an das Archiv der Avantgarden (ADA) in Dresden, das Brücke-Museum Berlin und die Krefelder Kunstmuseen – Kaiser-Wilhelm-Museum.
Ausstellung des Jahres 2025: „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“
Kuratiert von: Yilmaz Dziewior und Achim Hochdörfer mit Arthur Fink, Kerstin Renerig und Leonore Spemann
Zur Ausstellung des Jahres 2025 kürt der deutsche Kunstkritikverband die Ausstellung „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“, die vom 3. Oktober 2025 bis 11. Januar 2026 im Museum Ludwig Köln und vom 10. April bis zum 17. August 2025 im Museum Brandhorst in München zu sehen war.
Für die Wahl zur Ausstellung des Jahres bestimmt eine fünfköpfige Jury eine Shortlist, aus der die Mitgliederversammlung der AICA mehrheitlich die Preisträgerin bestimmt. Nominatorin der Gruppe Ulrike Lehmann sieht das große Verdienst der Ausstellung darin, dass sie „die enge Verbindung der fünf Künstler und ihre Entwicklung nachzeichnet und dabei anhand der Werke auch die gesellschaftliche und politische Lage für queere Menschen in der McCarthy – Zeit für unsere Gegenwart reflektiert“.
Weitere Mitglieder der Shortlist-Jury waren Elke Buhr, Oliver Hardt, Catrin Lorch und Ellen Wagner.
Besondere Ausstellung des Jahres 2025: „Małgorzata Mirga Tas – Eine alternative Geschichte“
Kuratiert von: Andreas Beitin in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin
Als Besondere Ausstellung 2025 wird die Solo-Schau von „Małgorzata Mirga Tas – Eine alternative Geschichte“ ausgezeichnet, die noch bis zum 15. März 2026 im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen ist. Jurorin für die Besondere Ausstellung war Ann-Katrin Günzel. Mirga Tas, so Günzel, dekonstruiere herkömmliche Geschichtsschreibung, „indem sie sie durch neue, intensive und zugleich poetische Bilder ersetze, sodass sie aus einer historischen Abwesenheit eine starke Gegenwart erschafft.“ Dies sei gerade in einem europaweiten Klima der erstarkenden rechten Parteien ein visionärer Hinweis auf die Möglichkeit neuer Perspektiven.
Podium zum Umgang mit Kunstfreiheit
Zentrales Thema auf der AICA-Jahrestagung war der Umgang mit der Kunstfreiheit im deutschen Kulturbetrieb. Nora Sternfeld, Professorin der HFBK Hamburg, sagte auf einer Podiumsdiskussion der AICA mit Blick auf die Debattenkultur in Deutschland, dass es für eine solche „Räume brauche, in denen Zuhören stattfinde“.
Die Intendantin von Kampnagel, Amelie Deuflhard, sieht es als entscheidende Zukunftsaufgabe aller Kulturinstitutionen, „diese zu öffnen und die Publica/Besucher:innen deutlich zu diversifizieren: in Bezug auf Herkunft, Religion, Class, Gender, Ability. Das Publikum der Zukunft sollte unsere Stadtgesellschaften bestmöglich repräsentieren.“
Der neu gewählte AICA-Präsident Carsten Probst sagte, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland seien zwar verfassungsrechtlich geschützt. Dennoch werde mitunter indirekt politisch in die Unabhängigkeit von Institutionen eingegriffen, anstatt diese zu einer offenen Debattenkultur zu ermuntern.