Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD
  Berliner Symposium 1999
  Thomas Wulffen
Der Kritiker lacht ! - Lacht der Kritiker ?
Bemerkungen zur Autonomie
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    Aber was ist ein Kritiker heute ?
Forscher, Eremit, Sozialarbeiter oder Königsmacher


In dem Dreieck zwischen Erkenntnistheorie, Entertainment und Dienstleistung, in dem sich Kunst heute situiert, gibt es immer wieder Verschiebungen zu einem oder anderen Fixpunkt dieses Dreiecks. Unter Erkenntnistheorie verstehe ich dabei einerseits jeden Rekurs auf Wahrnehmungsphänomene und anderer die bewusste Reflektion der Darstellungsmittel.
Unter Entertainment sollen Phänomen der Lust, des Vergnügens und der Unterhaltung im weitesten Sinne rubriziert werden. Für den Europäer hat der Begriff 'Entertainment' einen negativen Beigeschmack, den man im Verbund mit den neuen technologischen Medien wahrscheinlich zu vergessen hat, will man nicht ein immer größer werdendes Publikum ins Abseits stellen.
Dienstleistung umgreift Phänomene der Auftragskunst wie die Kunst im öffentlichen Raum, aber auch Kunst, die als Werbung für sich selbst auftritt. Sollte Kunst im öffentlichen Raum sich selbst reflektieren, dann ergänzt sich Dienstleistung um einen Aspekt der Erkenntnistheorie.
Grundsätzlich gilt, dass die angeführten Begrifflichkeiten keine scharfe Abtrennung kennen, sondern als Mittel der Beschreibung einer gegenwärtigen Situation sich gegenseitig ergänzen.

Und sie versuchen Funktionen Bildender Kunst in unserer Gesellschaft zu umreißen.

Und das bedeutet auch zum Beispiel, dass der Club wichtiger sein kann als der Cube, der White Cube, womit dann eine deutliche Präferenz des Entertainments einhergeht. Diedrich Diedrichsen stellt dazu fest:

»Das Neue, was die Kunst als Avantgarde gesellschaftlicher Entwicklungen deren Nutznießern anzubieten hat, sind nun nicht mehr neue Wahrnehmungsformen, neue Konzeptualisierungen und Abstraktionen, neue technologische Strategien oder neue Formen der Unterhaltung, sondern neue Milieus, die für die Erneuerung des Arbeitsprozesses nützlich sein könnten.« 5)

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5) Diedrich Diedrichsen: "Club und Cube" in Merz Akademie 2, Stuttgart 1998, S. 74. Siehe auch www.merz-akademie.de
    Diedrich Diedrichsen nennt das die 'Bohemisierung der Produktion':

»Der Nachteil ist, dass sich die Forderung nach einer kollektiveren Produktion und einer Neuerfindung künstlerischer Berufe und Arbeitsteilungsergebnisse nun von industriellen Standards, nicht nur in der Software- und Interface-Entwicklung, sondern auch durch von der Management-Seite entwickelte Lebens- und Arbeitsformen in unerwünschter Weise bestätigt, überformt und möglicherweise ausgenützt sehen.« 6)

  6) a.a.O. S.74
 
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©   Thomas Wulffen, 1999