Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD
  Berliner Symposium 1999
  Gerhard Haupt
Kritik im Netz - Internet als Medium und
Werkzeug der Kunstkritik
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    Ein paar Worte zum Internet als Werkzeug für Kunstkritiker:

Da sei zunächst die Recherche erwähnt. Selbst wenn das Netz keineswegs eine stabile virtuelle Bibliothek ist, wächst das verfügbare Konvolut an Informationen und Texten doch ständig. Da sind die Archive der Zeitschriften und Zeitungen, die Ausstellungspräsentationen und zunehmend besseren Dokumentationen der ständigen Sammlungen von Museen, die Tagungsberichte und Theoriedebatten, die persönlichen Websites von Künstlern und nicht zuletzt die aktuellen Veranstaltungskalender. Leichter als in jeder Bibliothek kann man Kontextinformationen zu allen erdenklichen Themen erhalten. Bei meinen Recherchen im Netz bin ich fast immer fündig geworden. Wenn ich schon nicht auf umfassendere Informationen zu dem gesuchten Thema gestoßen bin, dann fand ich doch zumindest weiterführende Literaturangaben.

Die entscheidende Voraussetzung ist, dass man die Methoden der Suche im Netz und die Eigenheiten der entsprechenden Suchmaschinen kennt. Die schon zitierte Auflistung von 896.000 Resultaten zum Suchbegriff »Kunst« hilft einem natürlich überhaupt nicht weiter, zumal die Maschine nicht zwischen der eigentlich gesuchten Kunst und Wortzusammensetzungen wie »Kunstdünger«, »Kunstturnen«, »Kunsthonig« etc. unterscheidet. Eine Suchanfrage muss schon präziser formuliert werden. Und selbst dann stößt man - allerdings ohne es richtig zu merken - an andere Grenzen: Einer jüngeren Untersuchung von Steve Lawrence und Lee Giles zufolge, haben die 11 größten Suchmaschinen zusammen mal gerade 42 Prozent der weltweit verfügbaren Internet-Seiten erfasst (was aber immer noch etwa 340 Millionen Seiten sind). Die Autoren kamen in der Studie zu dem Schluss, dass die Zukunft eher den kleineren, redaktionell bewerteten Webkatalogen zu bestimmten Fachgebieten gehört.

Das freut mich ganz besonders, denn zusammen mit Pat Binder habe ich einen solchen erstellt. Unser Projekt Universes in Universe ist ein Informations- und Kommunikationssystem für die Kunst Afrikas, der Amerikas und Asiens/Pazifik. Seit Februar 1997 ist es im Netz und seitdem auf über 2.000 HTML-Dateien (»Seiten«) angewachsen, die monatlich etwa 100.000 mal besucht werden. Dazu gehören die kurz kommentierte, systematische Verzeichnisse im Internet verfügbarer Seiten zur Kunst zahlreicher Länder. Wie vor einiger Zeit in der »Art« zu lesen war, konnten wir damit selbst Alfred Nemeczek die Kunst Afrikas, Asiens und Lateinamerikas »pfeilgeschwind« erschließen. Soweit ein klein wenig Selbstpromotion.

Als ein weiterer nützlicher Aspekt des Internet darf die Erleichterung der Kommunikation nicht unerwähnt bleiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Emails schneller beantwortet werden als normale Briefe und der Kontakt direkter und flüssiger funktioniert. Und die Kosten sind weitaus geringer als bei normaler Post, Fax oder Telefon. Aber die Vorzüge von Email sollten hinreichend bekannt sein, deshalb will ich es bei diesem kurzen Hinweis belassen.

Zum Abschluss möchte ich kurz auf eine konkrete Anwendungsmöglichkeit eingehen. Bei der Vorbereitung dieses Symposiums kam uns in den Sinn, hier nicht nur über Internet zu reden, sondern dieses auch gleich für die Veröffentlichung der Tagungsmaterialien und den weiteren Diskussionsprozess zu nutzen. Natürlich sollen all jene, die nicht »online« sind und keineswegs die Absicht haben, sich einen Internetzugang zuzulegen, nicht ausgeschlossen werden. So ist auch an einen »traditionellen« Weg für den Bezug der Materialien gedacht.

Da die deutsche AICA noch nicht im Netz ist, liegt es nahe, bei dieser Gelegenheit die Grundstruktur einer Website für die gesamte Sektion zu entwickeln, in die unser Symposium eingebettet ist. Vielleicht wissen Sie, wie rar kurze Internetadressen geworden sind. Deshalb war es ein glücklicher Umstand, dass wir »www.aica.de« anmelden konnten. Mit diesem notwendigerweise schnellen Entschluss sollte der grundsätzlichen Diskussion des Themas auf der Mitgliederversammlung im November, die Walter Vitt in seinem letzten Rundbrief angekündigt hat, keinesfalls vorgegriffen werden. Es liegt zwar schon ein Konzept für die Präsentation unseres Symposiums vor, aber welche Inhalte die deutsche AICA ins Netz bringen will, bleibt nach wie vor der Entscheidung der Mitglieder vorbehalten.

Wenn sich die deutsche AICA entschließen sollte, eine eigene Website zu betreiben, dann sollte überlegt werden, wie das Medium in den Dienst der satzungsgemäßen Ziele gestellt werden kann. Im Grunde dürfte es dann nicht nur um die verbandsinterne Kommunikation und die Selbstdarstellung nach außen gehen, sondern es müsste ein effizientes Instrument für die professionellen Belange der Kunstkritik in Deutschland angestrebt werden.

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©   Gerhard Haupt, 1999 - haupt@uinic.de