Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Horst Richter zum 75. Geburtstag

Von AICA-Präsident Walter Vitt

Seine Texte sind sachlich und zeugen von der hohen Kenntnis des Sujets. Und vor allem kommen sie lesbar daher, verzichten auf kunstwissenschaftliches Kauderwelsch. Ich spreche von Horst Richter, meinem unmittelbaren Vorgänger als deutscher AICA-Präsident, der am Rosenmontag in Köln sein 75. Lebensjahr vollendet hat.

Der aus Leipzig stammende Richter ist seit 1958 in Köln als Kunstbuchautor und Kunstkritiker tätig. Seit dieser Zeit - seit über 4 Jahrzehnten also - schreibt er für den Kölner Stadt-Anzeiger, wenngleich zuletzt immer seltener. Wer die Weltkunst liest, konnte und kann ihm auch dort begegnen.

Allerdings hat sich Richter seit einiger Zeit mehr und mehr zurückgezogen aus dem öffentlichen Wirken. Sein Ehrenamt an der Spitze der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) gab er nach 14jährigem Wirken 1989 auf; Höhepunkt seiner Tätigkeit in der AICA war 1977 die Organisation des Jahres-Weltkongresses der internationalen Kunstkritik. Sämtliche Referate unter dem Thema »Kunst in den 70er Jahren« gab er damals als Sammelband heraus (Köln 1978). Und 1998, als Richter seine populäre, zuerst 1974 erschienene »Geschichte der Malerei im 20. Jahrhundert« (Verlag DuMont Schauberg) für die 10. Auflage weitgehend neu bearbeitet hatte, schrieb er mir: »Was das Buchmachen betrifft, wird dies wohl meine letzte Novität sein.«

Richter hat in Köln Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Germanistik studiert (1951-1957) und sein Studium 1958 mit einer Dissertation über den deutschen Theaterdekorateur des Barock, Johann Oswald Harms (1643-1708) abgeschlossen. Danach schrieb er fast nur noch über die Kunst des 20. Jahrhunderts, u.a. Bücher über El Lissitzky (1958), Georg Muche (1960) oder auch über »Malerei unseres Jahrhunderts« (zuerst 1969). Als wir zur Eröffnung des neuen Kölner Wallraf-Richartz-Museums gemeinsam durch die Räume wander-ten und schließlich bei Bildern anlangten, die aus dem 19. Jahrhundert »herausgewachsen« sind (Monet; Bonnard z.B.), suchte er meine Zustimmung, indem er sagte: »Hier beginnen doch unsere eigentlichen Interessen - oder?« Ich nickte ausdauernd.

Für die Kölner Kunst der 20er Jahre hat er sich früh engagiert. Im April 1968 forderte er das Wallraf-Richartz-Museum (das Museum Ludwig gab es noch nicht) in einem Zeitungsartikel zu einer Gesamtdarstellung dieser Kölner Kunstperiode auf. Die Arbeit leistete dann später der Kölnische Kunstverein unter Wulf Herzogenrath, der inzwischen die Bremer Kunsthalle leitet. Richter selber steuerte zur Aufarbeitung dieser Jahre schon vorher monografische Darstellungen über den Bonner Maler Leo Breuer (1969) und den Kölner Maler Anton Räderscheidt (1972) bei.

Lieber Horst Richter. Kritiker Ihrer Kompetenz braucht es hierzulande mehr denn je. Vielleicht sollten Sie sich doch wieder häufiger zu Wort melden.

Köln, 25. Februar 2001

 


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