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2015 Kunstmuseum Ravensburg

Laudatio zum Museum des Jahres 2015

Laudatorin Marie Luise Syring und Dr. Nicola Fritz

Foto Wynrich Zlomke

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Frau Dr. Fritz, meine sehr verehrten Damen und Herren,

erlauben Sie mir, Ihnen zuerst ein paar Worte über die AICA zu sagen.
Die AICA ist ein internationaler Berufsverband für Kunstkritiker. Sie vertritt Autoren, die sich vornehmlich für die moderne und die zeitgenössische Kunst einsetzen. Wir berichten darüber, wir erforschen sie, versuchen, sie bekannt zu machen und sie zu deuten, und wir verteidigen sie, wo es notwendig erscheint.
1951, als die deutsche Sektion der AICA gegründet wurde, hatte sie gerade einmal 20 Mitglieder. Heute sind wir mehr als 200. Dazu gehören die Kunstjournalisten der Tageszeitungen, die Mitarbeiter von Fachzeitschriften, aber auch Kuratoren und Ausstellungsmacher, die Katalogtexte schreiben sowie Kunstwissenschaftler, die an den Universitäten und Kunsthochschulen arbeiten.

Die AICA ist eine NGO, eine nicht-staatliche Organisation, die von der UNESCO anerkannt ist. Sie hat den Auftrag, den Beruf des Kunstkritikers zu schützen und ihre Mitglieder weltweit miteinander zu vernetzen. Abgesehen davon sieht sie es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, für Presse- und Ausdrucksfreiheit einzutreten, wo immer sie bedroht sein mögen. Dazu haben wir eine Kommission gebildet, die, ähnlich wie Amnesty International, zur Solidarität mit verfolgten oder verurteilten Kollegen aufruft, sei es, dass in Paris, wie im letzten Jahr, die Mitglieder einer Satirezeitschrift ermordet werden. Sei es, dass in Saudi-Arabien Kuratoren, die nichts anderes verbrochen haben, als die Werke zeitgenössischer Künstler auszustellen, zum Tode verurteilt werden. Die AICA tritt auch an die Öffentlichkeit, wenn es darum geht, Sammlungen und Museen zu schützen. Gerade jetzt protestieren wir gegen die angedrohte Schließung eines so renommierten Museums wie das Museum Morsbroich in Leverkusen.

Was nun die Preise angeht, die die deutsche AICA vergibt, so sind sie während der Präsidentschaft meines Vorvorgängers Walter Vitt im Ideenaustausch mit dem damaligen Vizepräsidenten Klaus Honnef geschaffen worden. Der Preis für die "Ausstellung des Jahres" wurde zum ersten Mal 1992 vergeben, das liegt also schon fast 25 Jahre zurück; die "Besondere Ausstellung" kam 1995 dazu und die Auszeichnung "Museum des Jahres" wird von der AICA seit 2004 erteilt.

Auch die AICA-Preise, meine Damen und Herren, sind nicht nur dazu da, um einige Kunstinstitutionen und Museen zu ehren und in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Wir vergeben sie, um ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass dies Kultureinrichtungen sind, die sich durch ihre konsequente Ausstellungstätigkeit, durch ihre wissenschaftlich fundierte Arbeit und durch ihr kontinuierliches Eintreten für die zeitgenössische Kunst auszeichnen. Anstatt sich mit Events zu begnügen oder modischen Trends zu folgen, die zu nichts anderem gut sind, als den spekulativen Kunstmarkt zu bedienen, setzen sie ästhetische Maßstäbe. Sie bewahren ihre Unabhängigkeit und entziehen sich damit dem inzwischen übermächtigen System der Kunst-Ökonomie.

Den Preis für das "Museum des Jahres 2015" haben wir dem Kunstmuseum Ravensburg verliehen, weil es unserer Meinung nach zu den Museen gehört, die sich dem wachsenden Kommerzialisierungstrend des Kunstbetriebs erfolgreich widersetzen und sich statt dessen ein ganz eigenes, unverwechselbares Profil erarbeitet haben. Die Sammlung expressionistischer Kunst, die Peter und Gudrun Selinka dem Museum zur Verfügung gestellt haben, ist von höchster Qualität. Sie bildet den Grundstein der heutigen Sammlungspolitik und bestimmt, soweit wir das aus der Ferne beurteilen können, auch das Konzept des bisherigen Ausstellungsprogramms. Im Wechsel werden Einzelausstellungen und Themenausstellungen zur Geschichte der gestisch-expressiven Tendenzen im 20. und 21. Jahrhundert gezeigt. Und dies sind Tendenzen, ich darf daran erinnern, mit einer ganz besonderen Prägung und Geschichte.

Die expressive Kunst legte nicht nur Zeugnis von einer "Menschheitsdämmerung" ab, sie konnte auch immer von einer vorwärtsgerichteten Umbruchssituation erzählen, in der das Außergewöhnliche und Experimentelle eine große Rolle spielen. Experimentum mundi, wie Ernst Bloch es nannte. Eine Offenheit in die Zukunft hinein. Solch eine Zeit war die vor dem 1. Weltkrieg, als der Expressionismus entstand, als man begann, sich für afrikanische und ozeanische Kunst zu interessieren und deren hohe Ausdrucksintensität für sich entdeckte. Solch eine Zeit war auch die nach dem 1. Weltkrieg, als der Expressionismus als künstlerischer Stil von diversen politisch-revolutionären Bewegungen übernommen wurde, um von einem gesellschaftlichen Umbruch zu künden. Die Biographie des zur Zeit gezeigten Max Pechstein ist ein hervorragendes Beispiel dafür.

Die gestisch-expressive Kunst ist im gesamten 20. Jahrhundert nicht nur Zeichen eines individuellen inneren Aufruhrs gewesen, sie war auch immer vom Willen nach struktureller Veränderung innerhalb der Gesellschaft begleitet. Die Vorstellung von solch einem Experiment prägte die Werke der abstrakten Expressionisten nach 1945 in den USA, es war ebenso Impulsgeber für die Gruppe COBRA, deren Werke sich in der Sammlung dieses Hauses befinden. Die Nähe Asger Jorns etwa zum Existentialismus lässt sich nicht leugnen. Und auch die Gruppe SPUR, die in der Sammlung gut vertreten ist, geht bekanntlich auf die Aktionen und die Theorien der Internationalen Situationisten zurück. Auch von denen wurde der Aufstand geübt: und zwar gegen die Konsumkultur und gegen die sogenannte "Gesellschaft des Spektakels".

Und hier treffen das Konzept des Kunstmuseums Ravensburg und die Intentionen der in der AICA vertretenen Kunstkritiker wieder aufeinander. Was nützte es den Kunstkritikern, sich gegen die Mechanismen eines alles nivellierenden Kunstmarkts zu erheben, oder ein System anzuprangern, in dem jegliche kulturelle Wertung von Kunst zusammengebrochen ist, weil alle Beteiligten vom Geld fasziniert sind, wenn wir nicht Künstler fänden, die ebensolchem Widerstand in ihren Werken Ausdruck verleihen.

Hier in diesem Museum sind sie zu finden. Hier wird ihnen Raum gegeben, ihre Ideen auszubreiten. Hier wird außerdem mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, werden psychisch Kranke mit einbezogen, steht Besuchern aus allen Kulturen, eigenen und fremden, die Tür offen. Sie können sehen, forschen, ihre eigenen Fähigkeiten erproben. Also, neben den Ausstellungen scheint uns auch die Vermittlungsarbeit dieses Museums ausgewogen und erfolgreich.

Ravensburg hat viele Preise für den Neubau des Kunstmuseums erhalten, unter anderem den europäischen Preis für Energie + Architektur, einen Preis für nachhaltiges Bauen, einen Passiv - Haus Preis, und wenn wir dieses Gebäude sehen, das so ideal in die Altstadt eingebunden ist, dessen puristischer Stil innen wie außen so konsequent durchgehalten wurde, wenn wir bedenken, dass es eine Kosten sparende und ökologisch nachhaltige Klimaregulierung besitzt, die neuesten Ansprüchen entspricht, dann ist dies auch nachvollziehbar.

Und nun hat die deutsche AICA das Museum selbst zusätzlich mit einem Preis bedacht, weil nicht nur die Architektur Vorbildcharakter besitzt, sondern auch die Ausstellungen hervorragend präsentiert und auch sorgfältig und allgemeinverständlich für ein größeres Publikum erschlossen werden.

Ich möchte mich zum Abschluss für dieses Fest bedanken und dem gesamten Team meine Glückwünsche aussprechen, ebenso wie den Kuratoren der "Ausstellung des Jahres" und der "Besonderen Ausstellung", den Kollegen Hans D. Christ und Iris Dressler vom Württembergischen Kunstverein in Stuttgart und Frau Dr. Melitta Kliege aus dem Neuen Museum Nürnberg.

Marie Luise Syring
Ravensburg, 05. März 2016

Die Museumsdirektorin zur Preisverleihung

Dr. Nicola Fritz, Museumsdirektorin

Foto Wynrich Zlomke

Sehr geehrte Frau Syring, liebe Vorstandsmitglieder der AICA,
liebe Kollegen, liebe Frau Ragnasdottir, Frau Pütter und Herr Oi,
liebe Freunde des Kunstmuseums, liebe Vorstandsmitglieder der Stiftung Selinka,
liebe Ehrengäste

Zunächst gratuliere ich Ihnen Frau Kliege und euch, Iris Dressler und Hans Christ sehr herzlich zu den Auszeichnungen. Ich freue mich sehr, dass ihr nach Ravensburg gekommen seid. Als ich 2011 hierherkam und gefragt wurde das Kunstmuseum aufzubauen, fiel mir ein Zitat des Schriftstellers Saint Exupéry in die Hände, das Sie sicherlich schon einmal gehört haben:
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer.
Zwar stand ich glücklicherweise nicht vor der Aufgabe, ein Schiff zu bauen. Das Schiff bzw. das Museum stand schon, es verband Tradition und Moderne auf einzigartige Art und Weise und gewann zu Recht unmittelbar nach der Fertigstellung bis heute viele Preise. Mir oblag es vielmehr, die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer – nach der Freiheit der Kunst zu wecken und möglichst viele Ravensburger zu motivieren, diese Welt zu erforschen.

Kunst wurde und wird in vielen Kommunen – aber vor allem in einer traditionellen Handelsstadt wie Ravensburg – primär unter dem monetären Aspekt wahrgenommen und als Image- und Tourismusfaktor geschätzt.

Einige regionale Pressevertreter – natürlich nicht die, die heute Abend hier sind – schürten in der Anfangsphase des neuen Kunstmuseums die Vorurteile gegenüber der Kunst als Luxus- gut, indem sie einseitig über deren ökonomischen Wert berichteten anstatt zu helfen, die ideellen gesellschaftlichen Potentiale der Kunst zu vermitteln.
Gerade aber die ideellen Potentiale, die unsichtbare schöpferische, geistige und emotionale Energie der Künstler, die im Kunstsystem zirkuliert, ist der eigentliche Pulsschlag, die eigentliche Kraft, die das System am Leben hält. Ich freue mich deshalb sehr dass heute auch die Künstler da sind, wie Anne Carnein, Helga Griffiths, Simone Rues und Wynrich Zlomke die hier am Kunstmuseum ausgestellt haben.

In Kunstwerken sind subjektive Erfahrungen kondensiert, die wir nur bedingt wie einen Text lesen, das heißt rational aufnehmen können. Kunst spricht als nonverbales Symbolsystem alle Sinne an und will vielmehr von einem Moment auf den anderen ganzheitlich erfasst werden.

Stehen wir beispielsweise vor einem Werk wie der Frühe Morgen von Max Pechstein in der aktuellen Ausstellung so kann es passieren, dass wir von der darin verfestigten Aufbruchsstimmung der Brücke Künstler regelrecht angesteckt werden. Die im Museum bewahrten Originale stellen somit nicht nur ein Kollektivwissen bereit sondern legen - mit Aby Warburg gesprochen - Zeugnis über den emotionalen Leidschatz der Menschheit ab, den wir noch Jahrhunderte später aus der Distanz der Besonnenheit nachempfinden, reflektieren und verarbeiten können.
Ich bin davon überzeugt, dass die Kunst, gerade weil sie weniger kognitiv als auf der Gefühlsebene wirkt, in einer zunehmend mediatisierten Welt auch die Chance bietet, die eigene Intuition zu schulen und für die Wahrnehmung im Hier und Jetzt zu sensibilisieren.

Deshalb bin ich sehr glücklich, dass wir eine Sammlung wie die von Peter und Gudrun Selinka als Grundstock für dieses Haus haben. Diese Sammlung mit ihrem expressiven Schwerpunkt belegt auf einzigartige Art und Weise den roten Faden des Emotionalen durch die Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie eignet sich deshalb in ihrer direkten Sinnlichkeit hervorragend zum Einüben einer solchen ästhetischen Kunst-Erfahrung, die es heute mehr denn je zu schützen gilt.

Es war also nur folgerichtig, die Sammlung Selinka von Beginn an nicht nur als Fundament sondern als ideellen Überbau dieses Hauses – allen Kritikern und Neidern zum Trotz – ernst zu nehmen. Vielen Dank Frau Selinka, dass Sie mich im Aufbau dieses Hauses unterstützt und bislang meine kuratorische Freiheit respektiert haben, diese immer wieder neu zu inszenieren. Ich könnte mir kein geeigneteres Fundament für ein Museum als Lernort der Sinne wünschen als diese Sammlung.

Ausgehend von der Sammlung ist es mir jedoch auch wichtig, Brücken in die Gegenwart zu schlagen. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht heute, anders als noch bei den Expressionisten, weniger die Befindlichkeit des Künstlers, die Erforschung eines inneren Resonanzraumes, als vielmehr die Wahrnehmung des Betrachters. Diesem Paradigmenwechsel auf den Betrachter hin tragen wir damit Rechnung, dass wir das Publikum unter dem Format Fremde Blicke an partizipatorischen Projekten beteiligen und Sonderausstellungen wie beispielsweise von Katharina Hinsberg realisieren, die auf die Wahrnehmung der Betrachterinnen und Betrachter zielen.

Von diesem expressiven Schwerpunkt der Sammlung Selinka ausgehend, haben wir in kürzester Zeit, mit einem Team aus freien Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern, einen Spielraum der Gefühlsbildung aufgebaut. In diesem wird Kunst nicht nur passiv betrachtet, sondern von allen Altersgruppen auch täglich ganz praktisch gemacht.

Besonders in Erinnerung ist mir der achtjährige Kevin, ein familiär belasteter Junge, bei dem ich die transformatorische Kraft der Kunst hautnah miterleben durfte. So zeichnete Kevin kaum, dass er im Kinderatelier saß, zunächst einen erschreckend bedrohlich wirkenden schwarzen Totenkopf auf das Papier, schon nach 10 Minuten in der kreativen Atmosphäre strich er dieses durch und setzte ein fröhlich lachendes Gesicht daneben. Oder der junge Erwachsene aus Marokko, der sich in unserem Nachbarschaftstreff als Lieblingswerk den entwurzelten Baum von Joan Capote ausgesucht hatte, der ihm seine eigene Lebenssituation spiegelte.

Meine Kunstvermittler und ich können Ihnen noch viele andere Geschichten erzählen, die belegen, dass die Kunst ein Mittel der Kommunikation ist, mit dem wir unmittelbar und unverfälscht direkt die Herzen der Betrachter erreichen. Bitte erlauben Sie mir deshalb heute auch all denjenigen zu danken, die sich täglich mit großem Engagement bemühen, die Inhalte der Kunst an den Mann an die Frau und sogar an kleinste Kinder zu vermitteln. Ein großes Dankeschön an Michael Borrasch, Sophia Braun, Babette Caesar, Andrea Dreher, Patrizia Geddert, Lisa Grenzebach, Adrienne Hölz, Sabine Hepperle, Ilse Landa, Margarete Ziesel, Maria Niermann-Schubert. Letztere ist auch verantwortlich für unseren Jugendkunstclub, der unser Haus von Anfang an mit unorthodoxen Ideen bekannt gemacht hat. Euch allen ein großes Dankeschön.

Bedanken möchte ich mich auch bei Dir Daniel. Als Oberbürgermeister hast du gemeinsam mit den Gemeinderäten von Beginn an die Freiheit der Kunst und die Autonomie der Direktorin nicht nur unterstützt sondern auch verteidigt. Vielen Dank! Vielen Dank auch an die Sponsoren des Hauses die Ravensburger AG, die BW Bank und Andritz Hydro sowie die TWS. Sie, Frau Hess-Maier und Herr Kistler, Sie fördern von Beginn an direkt und geradezu mäzenatisch nicht nur unsere Ausstellungen und tragen so zur hohen Qualität des Programmes bei. Sie haben mich auch immer wieder auf dem eingeschlagenen Kurs bestärkt. Vielen Dank für Ihr Vertrauen, Ihre Beratung und Wegbegleitung.
Mein Dank gilt ebenso den Freunden des Kunstmuseums unter der Leitung von Herrn und Frau Dr. Gretter, mit denen wir gemeinsam Projekte entwickeln, die unserem Haus zugute kommen. Vielen Dank an die Freunde, dass Sie heute Abend auch unseren Imbiss mit ermöglichen.

Es ist ein Glück, dass die Bauherren dieses Hauses, Hans-Jörg und Andreas Reisch, nicht nur ein Herz für gute Architektur sondern auch für Kunst haben. So kompensieren wir mit Hans-Jörg Reisch beispielsweise unser kleines Marketingbudget dadurch, dass die Reisch GmbH an ihren Baustellen im ganzen Land immer wieder auf unsere Ausstellungen hinweist.

Zu Anfangszeiten habe ich bei den Baustellenführungen, rotarischen Versammlungen und runden Tischen, in Altenheimen, Schulen und im Gemeinderat den ideellen gesellschaftlichen Mehrwert des Kunstmuseums, als Ort der Freiheit, als Bildungsort und der kollektiven Identität betont. Ich sprach von der Vision, einen Leuchtturm zu bauen, der über die Stadt hinausragt und die Chance bietet, uns international, mit europäischen Institutionen wie beispielsweise dem CORBA Museum zu verbinden.

Bei derartigen Veranstaltungen kam es dann schon mal vor, dass mir der Satz „Frau Fritz, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ vor die Füße geworfen wurde. Solchermaßen herausgefordert, antwortete ich den Urhebern derart unterstützender Bemerkungen dann zugegenermaßen etwas wortkarg im Andenken an den von mir geschätzten Joseph Beuys mit dem Spruch, dass der Mensch aber mehr sei als ein Kotelettfresser …

Heute bin ich glücklich, da unser Museumsprojekt nicht zuletzt auch belegt, dass sich Ideale verwirklichen lassen. Unser junges Haus hat den Praxischeck überstanden, die Signale wurden sogar ins ferne Düsseldorf getragen. Ich danke abschließend sehr herzlich auch meinem Lebensgefährten Kristof Georgen und meinem kleinen Team mit dem Christoph Bueble, Eva Hocke, Axel Damoune und Reinhold Schillinger und das gesamte Bauhofteam verbunden sind. Ihr habt mich hingebungssvoll in den letzten Jahren bei allen Wetterlagen begleitet - vielen dank!
Wir können stolz sein auf das Erreichte. Die Sehnsucht der Ravensburger ist geweckt; immer mehr kommen neugierig auf jede neue Reise in die Kunstwelt mit, die wir anbieten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend, tauchen Sie ein und lassen sich treiben in unserem preisgekrönten Museum. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dr. Nicole Fritz
Direktorin Kunstmseum Ravensburg
Ravensburg, 5. März 2015

Museum des Jahres 2015

Museum Ravensburg

Ravensburg, einer mittelgroßen Stadt in Oberschwaben mit etwa 50.000 Einwohnern, ist es gelungen, das erste Passivhaus-Museum Deutschlands zu errichten. Der 2013 eröffnete Bau gleicht einem mittelalterlichen Speicher und ist mit seiner Außenhaut aus wieder verwendeten Altziegeln und einem Gewölbedach dem alten Stadtkern angepasst. Die doppelte Verschalung des gesamten Gebäudes aber ermöglicht eine kostensparende und ökologisch nachhaltige Klimaregulierung, die neuesten Ansprüchen entspricht.
Eine Sammlung expressionistischer Kunst bildet den Grundstein der Sammlungspolitik und bestimmt das Konzept des bisherigen Ausstellungsprogramms. Im Wechsel werden Einzelausstellungen und Themenausstellungen zur Geschichte der gestisch-expressiven Tendenzen im 20. und 21. Jahrhundert gezeigt.
Die deutsche AICA zeichnet das Kunstmuseum Ravensburg mit dem Preis "Museum des Jahres 2015" aus, weil die Architektur Vorbildcharakter besitzt und die Ausstellungen nicht nur hervorragend präsentiert, sondern auch sorgfältig und allgemeinverständlich für ein größeres Publikum erschlossen sind.

Internationale AICA, deutsche Sektion
http://www.kunstmuseum-ravensburg.de/